DAS LAGER
"Lauf um dein Leben du Idiot!" schrie Jeremias. "Für wenn soll ich sie
sonst aufhalten?"
Ich drehte mich um und rannte, so schnell ich konnte. Ein Schrei ertönte,
dann kam das Getrappel wieder näher. Ich führte meinen Schild auf
den Rücken und warf mein Schwert weg. Ihr fauliger Gestank begann mich
einzuhüllen, und ich bereitete mich auf meinen Tod vor, als etwas an
mir vorbeiglitt.
Plötzlich stand ich auf einer sonnenbeschienenen Blumenwiese und fiel
nieder.
Mein Gesicht im Gras verborgen, hörte ich das Prasseln mit dem die Banditen
im Tor verbrannten.
Zuerst glaubte ich nicht, daß es vorbei war und erwartete noch immer
den Tod in Form eines Schwertes, das mich von hinten durchbohrte.
Stille. Ich begann langsamer zu atmen und drehte mich um. Das Tor hinter
mir bestand aus zwei verzierten, dabei aber harmonisch zwischen die Bäume
eingefügten braunen Holzpfosten, die durch einen geschwungenen Querbalken
verbunden wurden. Immer wenn ein freches Insekt versuchte, durchzukommen,
flimmerte es bläulich. Davor stand nur kniehohes Gras mit gelbe und
rote Blumen dazwischen.
Ich stützte mich auf meine blutenden Arme. Der Zaun neben dem Tor lief,
unterbrochen von drei weiteren Toren, bis zu einer Steinhalde und von dort
in weitem Bogen zurück zu mir.
In der Mitte der Lichtung duckten sich fünf Holzhäuser um einen
30 Meter aus der Erde stehenden stachelförmigen Turm. Von dort schwebte
auch schon ein Hüter herbei.
Der silbergraue, zehn Zentimeter lange Stab rotierte gemächlich um seine
Querachse. Einen Moment blieb er höflich über mir stehen. Dann
beschleunigte er seine Umdrehungen, bis blaue Funken folgen und der Hüter
vor mir stand.
Während ich mich wieder ins duftende Grün zurücksinken ließ,
erzählte er vom Lager.
Es war alt. Mich wunderte, wie es überhaupt so lange bestanden hatte.
Irgendwann waren die Menschen gegangen, ohne ihm zu sagen, wohin und nie
mehr zurückgekehrt.
Er hob mich hoch und brachte mich ins Zentrum. Dort befand sich ein warmer
Raum, in dem die Sonnenstrahlen gebündelt und auf meine Wunden gerichtet
wurden. Ein Getränk erschien und rann über meine Lippen. Es schmeckte
süß, und ich wollte mehr davon, doch der Schlaf hatte mich im
nächsten Augenblick übermannt.
Irgendwann wachte ich auf und tastete nach Anna, meiner Gefährtin.
Erschrocken stellte ich fest, daß ich alleine war. Völlig alleine.
Alle anderen hatten sie erwischt. Zuerst der Dschungel und dann die Banditen.
Zum Schluß waren nur noch mein Bruder Jeremias und ich übrig
gewesen.
Langsam erinnerte ich mich wieder. Bis vor sechs Tagen hatten wir uns in
einem Lager wie diesem verbarrikadiert gehabt. Es war nur größer
gewesen und besser befestigt. Draußen hatte der Dschungel gelauert
und die Banditen. Ich bin ein der letzten Überlebenden aus dem Reich
Aziluth. Als ich geboren wurde, gab es allerdings nichts mehr davon. Alles
war zerstört. Nicht von Briash, wie das Reich unserer Feinde hieß,
sondern von uns selbst. Briash hatten wir besiegt.
Das ist jetzt über dreihundert Jahre her, und ich kann ungestraft die
Wahrheit sagen. Wir haben sie nicht wirklich besiegt. Wir haben nur ihr Land
genommen. Die meisten Menschen aus Briash sind verschwunden. Zurück
ließen sie seltsame Anleitungen, wie wir in die nächste Sphäre
gelangen konnten. Die Zurückgebliebenen waren allesamt nicht in der
Lage dazu gewesen. Jeder der es gekonnt hatte, war weg. Und dann standen
unsere Vorväter da. Alleine und umgeben von Banditen, die ihnen nicht
gehorchten.
Ursprünglich waren sie eine Art Kampfroboter gewesen. Aus toten
Menschenkörpern und einem lernfähigen computergesteuerten Gehirn.
Einige von ihnen lernten, sich von den Menschen zu befreien und wurden von
da an Banditen genannt. Während des Krieges hatte ihnen niemand allzuviel
Beachtung geschenkt, doch als Briash verschwunden war, stellten wir fest,
daß die Banditen die Überhand gewonnen hatten. Zusätzlich
waren mutierte Pflanzen und Tiere entkommen. Es war wie ein Fluch. Alles
was schief gehen konnte, ging schief. Die richtigen Pflanzen kreuzten sich,
die besten Sicherheitsvorkehrungen versagten, und die verantwortlichen Menschen
waren mit anderen Dingen beschäftigt. Zum Beispiel damit unsterblich
zu werden. Viele Unsterbliche brachten sich selbst um und die, welche nicht
lebensüberdrüssig geworden waren, wurden von ihren gierigen Mitmenschen
umgebracht. Innerhalb eines Jahres brach alles zusammen. Man wußte
nicht warum und nannte diese Zeit einfach die Veränderung.
Die grüne Hölle, eine Symbiose zwischen mehreren Pflanzen und
künstlich erzeugten Monstren, breitete sich über die gesamte Welt
aus. Nur die Banditen konnten darin überleben. Wir Menschen mußten
uns in geschützte Lager zurückziehen, welche jedoch von den Banditen
eines nach dem anderen gestürmt wurden. Unser Lager war das letzte gewesen.
Und dann stellten wir fest, daß die Energie für unsere
Verteidigungseinrichtungen zu Neige gehen würde. Ein einziges unersetzbares
Ersatzteil brachte den Untergang. Gemeinsam mit 50 anderen beschloß
ich, einen Ausbruch zu wagen. Wir wollten versuchen in das Gebiet von Briash
zu gelangen. Dort gab es Anleitungen, in die Sphäre zu wechseln, in
die sich die Briasher geflüchtet hatten. Angeblich das verlorene Paradies.
Das war unsere letzte Hoffnung. Kein Lager konnte den Banditen und ihren
Verbündeten auf Dauer stand halten. Sie haßten die Menschen und
taten nichts anderes, als uns zu jagen und zu ihresgleichen zu machen.
Ich befand mich überhaupt nicht in Sicherheit, stellte ich erschrocken
fest. Die Banditen würden sich bereits Gedanken machen wie sie die
Verteidigungseinrichtungen überwinden konnten. Sofort rief ich den
Hüter und fragte nach Waffen. Es gab keine, die mir helfen würden.
Alles war veraltet, doch ich fand wenigstens ein neues Schwert. Und dann
Sprengminen, die ich vor der Steinhalde auslegte. Nicht gefährlich für
sie, aber die Banditen würden zumindest abgelenkt sein. Ich grub sie
ein, bis ich völlig erschöpft war. Während ich mich mit Brot
und Schinken, die mir der Hüter gebracht hatte, stärkte, blickte
ich über die Lichtung.
"Eine Karte, bitte", sagte ich. Sogleich breitete sie sich vor mir aus. Helle
Punkte im Dschungel markierten Menschen.
"Sind das wirklich Menschen?"
"Ja. Sie bewegen sich direkt auf das Tor zu. In zehn Sekunden wird es der
erste passieren. Wenn es keine echten Menschen sind, werden sie vom Tor
zerstört werden."
Ich lief hinunter zum Tor, der Hüter folgte mir mit der Karte in einigen
Metern Abstand.
Eine Gruppe mit braunen Hüten und roten Tüchern stand vor mir.
Sie hatten ihre Schilde am Rücken und waren anscheinend bei bester
Gesundheit.
"Pfadfinder", flüsterte ich.
Sieben junge Burschen und zwei Mädchen folgten einem Führer, der
einen Wanderstock trug und sofort festen Schrittes auf mich zukam.
"Sei gegrüßt." Er streckte mir die Hand entgegen und
lächelte.
"Ist es erlaubt, ein wenig hier zu bleiben. Wir würden dafür
natürlich bezahlen, so weit es in unserer Macht steht."
Das waren Pfadfinder. Ich erschauderte vor Ehrfurcht. Sie waren durch einen
Schwur vor der grünen Hölle geschützt und konnten sich sogar
gegen Banditen zur Wehr setzten. Bisher hatte ich geglaubt, Pfadfinder
wären ein Märchen. Und jetzt sah ich sie tatsächlich völlig
unverletzt aus der grünen Hölle kommen.
Ich berichtete, daß ich erst vor ein paar Stunden angekommen sei und
das Lager verlassen gefunden hätte.
"Schade sagte der Führer. Wir hatten uns schon darauf gefreut, wieder
einmal unter richtige Menschen zu kommen."
"Wann habt ihr die letzten gesehen und wo waren sie?"
"Es muß mehrere Jahre her sein. Wir versuchten einem Lager bei der
Verteidigung zu helfen. Aber die Banditen waren zu stark. Von da an gab es
Niemand, dem wir noch helfen konnten und viele von uns mußten ihren
Schwur brechen. Der Dschungel hat sie jedes Mal sofort geholt.
Du weißt wirklich nichts von anderen Lagern?"
"Nein. Meines war das Letzte. Wir haben uns eine Woche lang durch den Dschungel
geschlagen. Inzwischen ist der Strom meines alten Lagers sicher verbraucht.
Die Zurückgebliebenen haben beschlossen, es zu vernichten, sobald die
Banditen eindringen."
Ich erinnerte mich vage an die alten Geschichten über ihren Schwur und
daß sie anderen Helfen mußten. Also bat ich sie, die restlichen
Minen zu vergraben, sowie die Bunker unter dem Stachel noch einmal
gründlich zu durchsuchen. Der Führer nickte mir lächelnd zu
und sandte seine Gruppe zur Arbeit. Die Pfadfinder verschwanden nacheinander
in den einzelnen Häusern. Erst jetzt bemerkte ich, daß eines der
Mädchen hochschwanger war.
"Ich habe noch lange Zeit bis mein Schwur bricht", sagte der
Pfadfinderführer und blickte sich suchend um. "Der Zaun ist alt und
die Steine werden die Banditen nicht aufhalten."
Er winkte den Hüter mit der Karte näher und betrachtete sie. Im
Süden war das Meer nur durch einen kleinen Streifen Urwald von uns
getrennt.
"Das Meer", rief ich, "wie gerne würde ich es sehen."
"Wenn du dich etwas geduldest, werden wir dich morgen hinbringen."
Ich sah ihn überrascht an.
"Es gibt keinen Weg."
"Wir werden einen machen. Wir sind doch Pfadfinder."
Ich konnte nicht antworten, denn ein Junge kam aus einem der Häuser
aufgeregt auf uns zugelaufen.
"Schnell. Maya bekommt ihr Baby."
Wir liefen sofort ins Haus, und der Führer drängte den Rest der
Gruppe, beiseite, während ich an der Eingangstür stehen blieb.
Das Mädchen war höchstens fünfzehn Jahre alt. Der Hüter
brachte ein Schmerzmittel, während der Führer seine Schützlinge
alle Vorbereitungen treffen ließ. Ein Pfadfinder stand die ganze Zeit
bei Maya und hielt ihre Hand. Schließlich waren alle bereit und warteten
auf das Kürzerwerden der Wehen.
Es dauerte ziemlich lange und der Führer ging neben ihrem Bett immer
schneller auf und ab.
Ein Pfadfinder kam zu mir zurück.
"Mein Name ist Richard." Er trug eine runde Silberbrille und hatte ein rundes,
freundliches Kindergesicht.
"Ich habe keine Ahnung von Geburten", sagte ich.
"Es wird Komplikationen geben. Sie ist noch zu jung. Und wenn das Kind da
ist, fürchten wir, daß es Maya nicht annimmt", erklärte er.
"Ist das der Vater?" fragte ich und deutete auf den Jungen, der ihre Hand
hielt.
"Ja. Sie sind schon seit einem Jahr zusammen und haben sich sehr gern. Was
Wil betrifft, bin ich sicher, daß er ein guter Vater wird."
Niemand sprach mehr. Eine Schüssel wurde gebracht und dann eine
Blutkonserve.
Ich ging einige Schritte nach draußen und beobachtete eines der Tore.
Maya verlor ziemlich viel Blut und ich konnte es nicht ertragen, hilflos
daneben zu stehen. Nach einer halben Stunde schrie der Führer, das Kind
lebe.
Der Vater hielt das Baby im Arm, während die Mutter bewußtlos
geworden war. Der Führer gab ihr eine Spritze und stimmte dann ein Lied
an. Sie sangen eine halbe Stunde, bis Maya wieder erwachte.
Wil setzte sich jetzt auf das Bett und zeigte ihr das Kind. Maya lächelte
und zeichnete das Taufzeichen auf seine Stirn. Der Vater mußte es schon
vorhin getan haben, denn als sie fertig war, begann sich daraus den Schild
ihrer Liebe zu formen. Dieser Lebensschild, eine bläuliche Scheibe,
welche durch einer Art Nabelschnur mit dem Körper verbunden ist, war
die letzte Erfindung im Kampf gegen die Banditen gewesen. Ihre Waffen konnten
es nicht durchdringen, genauso wenig wie unsere ihre schwarzen Panzer.
Wir genossen schweigend den Moment und gingen dann leise hinaus.
Es wurde rasch dunkel, doch dann ging der Mond auf und tauchte alles in helles
Licht. Der Anführer und ich hielten oben auf dem Stachel Wache während
die restlichen Pfadfinder in den Häusern schliefen. Eine leichte Brise
kam auf, wurde etwas stärker und bewegte die Baumwipfel.
"Der Wind kommt vom Meer. Spürst du das Salz?" fragte er.
"Es riecht irgendwie frisch."
"Vor drei Tagen haben wir am Strand übernachtet. Es war Sand dort und
das Wasser so seicht, daß man darin waten konnte."
"Ist es gefährlich, wenn ihr einen Weg dorthin macht. Ich möchte
nicht, daß sich meinetwegen jemand verletzt."
"Es ist nicht weit und wir tun dir damit doch eine gute Tat."
Er drehte sich um, damit er in Richtung der Steinhalde sehen konnte. Wir
blieben die ganze Wache Rücken an Rücken sitzen.
Als am nächsten Tag alle ausgeschlafen waren, ließ er die Gruppe
in Zweierreihen antreten. Sogar Maya war dabei. Sie trug ihr Kind am Rücken
und sah wieder gesund aus.
Abwechselnd gingen zwei vorne, schlugen eine Schneise in das Unterholz,
während die nächsten flüchtende Insekten erschlugen, Fallwurzeln
vergifteten und lebendige Sümpfe austrockneten. Nach einer Stunde intensiver
Arbeit standen wir am Strand.
Ich sah eine weite gelbe Fläche auf der Wasserwellen sanft ausrollten.
Sie rauschten leise.
"Das ist die Ebbe", erklärte mir der Führer.
Ich nickte, obwohl ich nicht verstand.
"Ich sehe etwas!" rief Wil und deutete nach draußen.
Der Anführer nahm sein Fernglas und spähte in Richtung des
ausgestreckten Armes. Jetzt sahen es die restlichen Pfadfinder und ich
auch.
Draußen schwebte eine Reihe weißer Punkte.
"Quallen! Es sind Quallen!" rief der Führer, und die Pfadfinder begannen
zu jubeln, schlugen mir auf die Schultern und umarmten mich.
"Die Grenzen dort sind dünn", erklärte mir der Führer, als
er meinen ratlosen Ausdruck erkannte." Die Quallen werden uns nach Briash
bringen. "
Ohne auf Gefahren zu achten, liefen wir über den Strand und blieben
erst kurz vor den tosenden Wassern stehen.
Der ganze Horizont schien voll von ihnen. Gespannt betrachtete ich, wie sie
langsam größer wurden, so daß ich die im Wind wehenden
durchscheinenden Tentakeln unterscheiden konnte.
Ehe uns die erste Qualle erreichte, schrie Maya auf.
"Raben!"
Erschrocken fuhren 10 Köpfe herum. Vom Urwald hatte sich eine ganze
Wolke von Vögeln erhoben und flog über unsere Köpfe den Quallen
entgegen. Sie stachen mit ihren scharfen Schnäbeln in die Luftsäcke,
die daraufhin langsam zusammensackten und mitsamt der Tentakl auf den Wellen
niedergingen.
Die Pfadfinder schwenkten wütend ihre Macheten gegen die Raben, welche
genauso viele zu sein schienen, wie die Quallen auf dem Meer. Mit rauhem
Krächzen stürzten sie sich immer wieder auf die unberührt
ihrem Schicksal entgegenschwebenden Tiere.
Keine einzige überlebte. Wir starrten versteinert auf die Überreste
der Quallen, die von den Wellen ans Ufer gespült wurden und dort reglos
liegen blieben.
Die Raben beobachteten uns unentschlossen, zogen es dann aber vor, wieder
in den Dschungel zu verschwinden.
"Wie war das mit den Quallen noch einmal. Ich verstehe nichts", fragte ich
den Führer.
"Die Quallen sind von der andren Seite. Aus dem Paradies, wo jetzt Briash
ist. Sie können die Grenzen zwischen den Sphären durchqueren. Aber
es wird immer schwieriger. Auf unserer Seite ist niemand mehr, der die Verbindung
aufrecht erhält, und ich glaube die Grenzen werden bald wieder dicht
sein."
Zurück im Lager begannen wir damit, eine defekte Tür zu öffnen,
welche die Pfadfinder gestern entdeckt hatten. Dahinter lag ein verstaubtes
Labor mit einem Wandsafe. Ich rief den Hüter und fragte nach der
Kombination, doch er konnte keine Auskunft geben. Der Safe war in seinen
Plänen nicht verzeichnet. Also beschlossen wir, ihn mit einem Brennstrahl
aufzuschweißen.
Im Inneren lagen kleine blau und grau gemusterte Würfel. Ich nahm einen
heraus und betrachtete ihn genauer. Er bestand aus acht ineinander verzahnten
kleineren Würfeln, deren Seiten abwechselnd blau und grau waren.
"Man kann sie drehen", sagte der Führer. Er schob die kleinen Würfel
hin und her.
"Wenn man geschickt ist, kann man alle Farben auf grau oder blau bringen."
"Warum versteckt man so etwas in einem Safe?"
Ich versuchte alle Farben meines Würfels auf blau zu bringen. Es war
gar nicht leicht.
"Hör auf damit!" befahl der Führer. Wenn du weitermachst, passiert
etwas. Erschrocken legte ich den Würfel beiseite. Ich hatte geglaubt,
mit zwei Drehungen alle Außenseiten auf blau bringen zu
können."
"Was passiert?"
"Ich weiß nicht, aber ich habe gespürt, wie du etwas aktiviert
hast. Bevor wir nicht wissen, was es ist, solltest du es nicht
ausprobieren."
Ich nahm meinen Würfel und wir suchten nach Hinweisen, wozu er dienen
könnte, doch irgend jemand hatte alle Bücher aus dem Labor
entfernt.
"Irgendwann werden wir schon herausfinden, was er kann", sagte ich am Abend
und steckte ihn vorerst in meine Hosentasche.
"Banditen!" sagte der Führer unvermittelt.
"Wie Bitte?" fragte ich.
"Banditen werden kommen", antwortete er. "Laß uns alle zusammentrommeln
und darauf vorbereiten."
"Bist du sicher?"
"Sie werden morgen durch die Steine kommen."
Am nächsten Morgen nahmen die Pfadfinder ihre Macheten, und versteckten
sich hinter den Häusern.
Nur Maya hatte keine Waffe. Sie hielt ein Buch in Händen und bat mich,
sie mit nach oben zu begleiten. Wir gingen über die Treppen auf die
Spitze des Stachels, wo wir von einer Plattform aus nach unten sehen
konnten.
"Sollte ich nicht besser unten sein und kämpfen?" fragte ich.
"Du mußt mich hier verteidigen, falls einer heraufkommt."
Ich hatte viele Gerüchte über Pfadfinder, gehört, sie aber
nie kämpfen gesehen. Maya und die anderen schienen jedoch zu wissen,
was sie zu tun hatten, und so gehorchte ich ihr.
"Wie lange wird es noch dauern?" frage ich.
Sie sah angestrengt in Richtung der Steinhalde.
"Nicht mehr lange." Das Kind schlief friedlich auf ihrem Rücken.
"Du hast Angst, nicht wahr."
"Die Banditen haben meine Freunde getötet und ich fürchte, sie
werden das gleiche mit euch tun."
"Wir sind Pfadfinder und haben uns an den Schwur gehalten. Sie können
uns nichts tun."
"Ich würde gerne gegen sie kämpfen und mich für meine Freunde
rächen. Aber sie sind so stark. Wenn ich nur eine bessere Waffe hätte,
als dieses Schwert. Dann würde ich sie alle töten."
Du bekämpfst Feuer mit Feuer. Nicht mir Wasser. Sie drückte mir
das Buch in die Hände.
"Wenn du kämpfst, singe das dritte Lied und denk nicht an deine Feinde.
Sing nur das Lied und kämpfe."
Ich blickte sie erstaunt an.
Ich werde es einmal mit dir singen.
"A Mhagaidh na..."
"Was heißt das. Ich kenne die Sprache nicht", unterbrach ich.
"Es ist nicht wichtig, daß du es verstehst. Ich weiß auch nicht,
was die Worte bedeuten. Trotzdem geben sie dir Mut."
Ich studierte den Text. bis ich jede Zeile auswendig konnte. Maya deutete
plötzlich auf die Steinhalde.
"Sie kommen!"
Jetzt sah auch ich eine Reihe von schwarzen Punkten, die sich vorsichtig
durch die hohen Felsblöcke schlichen. Die Banditen gingen, ihre Reittiere
hinter sich herführend, langsam vorwärts. Einer hatte keine Geduld
und wollte die letzten Felsbrocken auf seinem Pferd überwinden. Ein
Stein zuckte und von ihnen war nichts mehr zu sehen. Als sie die Halde
überwunden hatten, stiegen sie auf die Pferde, begannen schrill zu
krächzen, und galoppierten auf uns zu. Ab und zu explodierten Minen,
doch die Banditen und ihre Pferde spürten die Explosionen nicht.
Maya holte tief Luft und begann zu singen. Ihre Stimme übertönte
das Krächzen der Banditen selbst am Fuß des Stachels, wo sie jetzt
ankamen und überrascht ihre Reittiere anhielten.
Einer stieg ab und zerstörte mit einem einzigen Schlag das Eingangstor.
Automatische Waffen begannen zu feuern, doch die Banditen kümmerten
sich nicht darum. Als der erste in den Turm eingedrungen war, stürmten
von allen Seiten die Pfadfinder herbei und die Banditen gerieten in Panik.
Ein Teil zog sich zurück, während der Rest vergeblich versuchte
einen Kreis zu bilden.
Ein Pfadfinder hatte ein Lasso bei sich, daß er einem flüchtenden
Banditen um den Hals warf. Er wurde mitsamt seines Pferdes umgerissen und
blieb bewegungslos liegen. Obwohl die Banditen in der Überzahl waren,
brauchten sie erstaunlich lange, sich vom anfänglichen Schrecken zu
erholen und gingen selbst jetzt nur zögernd gegen die Pfadfinder vor.
Ich hörte von unten ein Poltern und machte mich bereit, zum ersten Mal
in meinem Leben Auge in Auge gegen einen Banditen zu kämpfen. In der
Mitte der Stiege trafen wir uns. Er war ziemlich klein und reichte mir gerade
bis zur Schulter. Ich gab meinen Schild nach vorne und hieb das Schwert wuchtig
gegen seine schwarze Rüstung. Er wankte, fiel aber nicht, sondern begann
seinerseits auf meinen Schild einzuschlagen. Ich wurde durch die Vibrationen
regelrecht durchgeschüttelt, verdoppelte dafür aber meine Wut und
trieb ihn nach unten. Er krallte sich jetzt auf den Stufen fest und ließ
alle Schläge über sich ergehen, als wäre mein Schwert aus
Holz.
Nachdem mein erster Schwung verflogen war, begann er, mich Schritt für
Schritt nach oben zu drängen. Aus dem typischen Krächzen von vorhin
wurde zuerst ein heiseres Zischen und dann ein rasselndes Atmen. Was immer
unter der Rüstung war. Es rang zumindest genauso nach Luft, wie ich.
Ich zielte immer wieder auf den Schlitz, hinter dem die Augen sein mußte,
doch er parierte jede Attacke und stach in meinen Schild, der bereits einige
kleine Löcher aufwies. Maya trat plötzlich hinter mich und sang
ihr Lied mit größter Intensität.
Augenblicklich bekam ich wieder die Oberhand und trieb ihn die Treppe hinunter.
Maya ging ein paar Schritte mit, wandte sich dann aber wieder um und der
Bandit stürmte erneut mit aller Heftigkeit an.
Ich begriff. Sie wollte mir sagen, daß ich singen mußte.
Zuerst zögernd, und kaum zwischen den gepreßten Atemstößen
hervorbringend, begann ich mein Lied zu singen.
Neue Kräfte durchflossen mich, und meine Schläge schien
gefährlicher zu werden. Er griff plump an, während ich immer wieder
knapp neben seinen Augenschlitz stach.
Meine Stimme wurde lauter und er begann zu wanken. Ich stieß ihn in
einem günstigen Moment meinen Schild gegen die Brust, worauf er
rückwärts die Stufen hinunterfiel. Das Schwert erhoben stürzte
ich hinterher. Maya folgte mir, doch ich beachtete sie nicht. Jetzt war meine
Chance gekommen. Ein weiterer Schlag warf ihm die Waffe aus den Händen
und seine Rüstung bekam einen Sprung. Triumphierend zielte ich mit der
Schwertspitze auf den benommen am Rücken Liegenden.
Ich stieß zu, doch Maya riß mich im letzten Moment zur Seite.
Der Bandit erhob sich wankend und ein jämmerlicher Schrei ertönte
unter der Rüstung, verebbte aber, als er mit an seine Brust gepreßten
Händen durch das Tor nach draußen fiel.
"Warum hast du das getan?" fragte ich.
"Weil er sonst nicht gestorben wäre."
Ich blickte verständnislos auf sie und dann auf den Banditen.
"Komm mit. Wir müssen den anderen helfen", befahl sie und begann wieder
zu singen.
Ich wollte mich dem regungslosen Banditen nicht nähern, bevor ich nicht
mein Schwert in ihn gestochen hatte, doch Maya drängte sich an mir vorbei
und ließ mir keine andere Wahl, als ihr schnell zu folgen und wieder
die Führung zu übernehmen.
Draußen sah ich, wie ein Pfadfinder einen Banditen am Boden hatte und
sein Schwert in Richtung des Augenschlitzes stach. Kurz bevor die Klinge
durch die Rüstung fuhr sprang ein zweiter Pfadfinder herbei und riß
seinen Kameraden vom Banditen. Dieser schrie daraufhin kläglich auf,
tastete mit den Händen an seine Brust und blieb dann still liegen.
Fünf Banditen flohen in Richtung Steinhalde, während der Rest
bewegungslos zwischen den Häusern lag. Unter den schwarzen Rüstungen
stach mir die bewegungslose Gestalt eines Pfadfinders ins Auge. Es war Richard.
Er hatte keinen Schild mehr und auf seiner Brust zeigte sich ein runder
Blutfleck.
Am nächsten Tag begruben wir Richard. vor der Steinhalde. Daneben betteten
wir die Überreste der Banditen. Ich trug einen, und es fühlte sich
an, als wäre es nichts weiter als eine leere Rüstung mit ein paar
scheppernden Knochen.
Die Pfadfinder fertigten große Grabsteine für jeden Toten an in
die sie mit Meißeln eine Inschrift in Aziluth meißelten.
"Die Banditen werden es lesen und eine Woche nicht kommen. Sie fürchten
ihre Toten mehr, als wir die unseren", erklärte der Führer.
Wir beschlossen, zumindest noch ein paar Tage hier zu bleiben. Maya`s Kind,
es war ein Mädchen und hieß Sophia, brauchte Ruhe und Frieden
zum wachsen.
Ich wußte nicht, was ich weiter tun sollte. Der Führer wollte
mir erlauben, mit ihnen mitzuziehen. Vielleicht gab es noch andere Menschen,
denen ich mich auf Dauer anschließen konnte. Nach zwei Tagen wurden
drei Pfadfinder krank. Sie hatten hohes Fieber und bekamen graue Haut. Niemand
wußte, was es war. Der Führer bestimmte, daß wir nicht mehr
von den Vorräten des Lagers essen sollten und ging mit dem Rest seiner
Gruppe auf Nahrungssuche.
Am sechsten Tag nach dem Überfall der Banditen hatte sich der Zustand
der Kranken zwar gebessert, sie waren aber noch immer zu schwach, um
aufzustehen.
Der Führer und ich sahen uns noch einmal die Karte des Hüters an.
"Gibt es keine Karten, die weiter reichen?" fragte ich.
Als Antwort zeigte die Karte einen viel größeren Bereich um das
Lager. Am linken Rand, direkt an der Küste lag eine Stadt.
Wir waren beide überrascht und griffen uns auf die Köpfe, daß
wir nicht schon früher daran gedacht hatten.
"Die Stadt heißt Averia. Sie lag lange Zeit an der Grenze zwischen
Briash und Aziluth. Als die Briasher verschwanden verließen sie ihre
Bewohner und bauten unter anderem dieses Lager," erklärte der
Hüter.
"Es ist nicht weit. Vielleicht finden wir dort etwas."
"Mir gefällt die Idee nicht. Wir werden dort nichts finden, und wir
müssen auf unsere kranken Kameraden aufpassen," sagte der
Führer.
"Morgen kommen die Banditen wieder. Dann wird es vielleicht zu spät
sein."
Er ging nachdenklich ein paar Schritte und drehte sich abrupt um.
"Wenn es dir wirklich ein Anliegen ist, dorthin zu gehen, werden dich Kay,
Ron und ich begleiten."
"Können wir sofort aufbrechen?"
"Ja. Aber wir kehren zurück, bevor die Banditen kommen."
Es gab einen gut erhaltenen Weg zur Stadt. Der Führer ging vorne, Kay
und Ron in der Mitte und ich deckte den Rücken. Der Weg stieg nach einigen
Kilometern an, war aber so friedlich, daß wir unsere Schilde gar nicht
gebraucht hätten.
Plötzlich war der Dschungel aus, und wir befanden uns auf einer Klippe.
Darunter lag in einer weiten Bucht die Stadt. Das Meer hatte mehrere Viertel
verschluckt. Trotzdem konnte ich sehen, daß sie gewaltig gewesen war.
Riesige Kräne lagen durcheinander, dazwischen eingefallene Lagerhäuser
und ausgebrannte Fahrzeugskelette. Die meisten Häuser wiesen schwarze
Brandspuren auf oder waren überhaupt zusammengefallen. Zwischen ihnen
wucherten bereits kleine Bäume und Sträucher, als hätte jemand
grüne Farbe ausgegossen aus der nur mehr die Spitzen der Mauern
herausragten.
Ich glaube es gibt einen Weg nach unten. Wenn wir dort den Waldrand entlang
gehen..." Ron zog mit dem Finger eine Linie über die Klippen nach unten
und von dort am Strand entlang zur Stadt.
Wir marschierten los und ich wollte den Führer gerade fragen, warum
er soviel über Briash wußte, als er in Flammen aufging. Seine
Kleidung begann zu brennen und dann sein Schild. Er warf sich zu Boden und
versuchte die Flammen zu ersticken. Kay und Ron wollten ihm helfen.
"Weg! Feuerminen!" kreischte er.
Die Beiden sprangen zurück, aber an ihren Händen und Füßen
brachen schon kleine blaue Flammen hervor, die rasch auf den restlichen
Körper übergriffen.
Kay versuchte sich zuerst am Boden zu wälzen, stand dann aber auf, rannte
zur Klippe und sprang. Ron wollte ebenfalls Anlauf nehmen, sah aber, daß
Kay in der Luft zu einem gleißenden Feuerball wurde.
"Sie haben die Grenze vermint. Du kannst nicht durch. Geh zurück!"
Die Flammen hüllten ihn bereits zur Gänze ein. Er schrie noch etwas,
aber das Prasseln des blauen Feuers verzerrte seine Stimme, so daß
ich nichts mehr verstand. Nach einer Minute war nur mehr ein Haufen Asche
übrig.
Ich ging vorsichtig zurück und drehte mich um. Der Weg war sicher. Ich
würde es schaffen. Aber was sollte ich den restlichen Pfadfindern
erzählen? Irgendwie war es meine Schuld, doch wie hätte ich ahnen
können daß dort Feuermienen waren? Bedrückt schlich ich
zurück auf die Klippe. Dort angekommen sah ich noch einmal auf die Stadt.
Dann drehte ich mich um und blickte über einen Teil des tiefer liegenden
Urwaldes. Hinter den Bäumen stieg Rauch auf. Er war dicht und schwarz.
Ich zuckte erschrocken zusammen. Das konnte nicht sein. Oder doch?`
In Gedanken zeichnete ich den Weg, denn wir gekommen waren. Dann ein zweites
Mal, zur Sicherheit. Das Lager hatte genau dort gestanden, wo die dichten
Rauchwolken aufstiegen.
Ich setzte mich erst einmal und ging alle anderen Möglichkeiten durch.
Es konnte nur das Lager sein. Die Banditen. Sie mußten früher
zurückgekommen sein. Verzweifelt schloß ich mit meinem Leben ab.
Es gab keine Hoffnung mehr. Ich beschloß, den Banditen entgegenzugehen.
Wie sollte ich auch ohne Hilfe und neun Pfadfinder auf dem Gewissen
weiterleben?
Nach ein paar Schritten blieb ich wieder stehen. Sie würden gewiß
von selbst kommen. Ich hatte dann immerhin noch die Möglichkeit in die
Flammenminen zu gehen. Oder besser: Mit den Banditen dorthin zu gehen.
Ich marschierte unentschlossen wieder die Klippe hinunter. Wäre ich
in Flammen aufgegangen, hätte ich mich gefreut, aber nichts passierte.
Statt dessen fiel mir ein überwachsenes, Gebäude auf, aus dessen
Inneren Stimmen kamen.
"Mich juckt´s am Arsch. Der Schweif ist da völlig umsonst. Ich
muß mal an eine Wand. Wenn die Hände doch nicht so kurz
wären."
"Du bist noch immer zu fett. Es braucht ein bißchen Beweglichkeit.
Ich kann mich kratzen, wo ich will."
"So. Jetzt geht's wieder. Brechen wir auf. Ich rieche Banditen."
"Nein nicht Banditen. Es riecht nach Mensch."
"Mensch? Woher willst du wissen, wie ein Mensch riecht."
"Ich weiß es einfach. Schauen wir nach."
"Au! Ich hasse diese niedrigen Türen."
Die Stimmen kamen näher, die Tür ging auf und heraus traten drei
Zentauren, die mich verdutzt anstarrten.
"Da sieh an", sagte der erste, "ein Mensch." Er hatte ein glattes, junges
Gesicht, daß von langen dunkelblonden Haaren umrandet wurde. Ich hielt
ängstlich meinen Schild hoch.
"Keine Angst. Wir sind Vegetarier."
"Ich habe mich erschreckt, weil ich ähm noch nie ähm Zentauren
gesehen habe. Ich hielt sie ähm für ein Märchen. Das kann
nur die ähm Veränderung getan haben."
Ich war verwirrt und bereitete mich auf die Flucht vor.
"Das war nicht die Veränderung. Wir haben es selbst getan. Es gibt keine
Zukunft mehr für Menschen."
"Selbst? Warum habt ihr es getan. Ihr habt nicht einmal mehr einen Schild."
"Sie lassen uns in Ruhe. Zumindest die meisten. Sie glauben, die
Veränderung hätte es getan."
"He. Bleib ruhig. Du kannst sowieso nicht davonlaufen. Wenn wir dich umbringen
wollen, müßten wir nur zum Bogen greifen." Der zweite hielt seine
Hände demonstrativ hoch, während ich bemerkte, daß jeder
einen Langbogen an der Seite des Pferdekörpers trug.
"Läufst du alleine herum. Wie hast du überlebt?" Auf der Stirn
des zweiten zeichnete sich eine Längsfalte ab.
"Ich bin einfach übriggeblieben. Die anderen hat es vor einer Stunde
bei den Feuerminen erwischt. Wie habt ihr das übrigens gemacht. Ich
meine, euch in Zentauren zu verwandeln."
"Wir haben einen Würfel bekommen. Er bestand aus kleineren Würfeln
mit grauen und blauen Farben. Wenn man sie so drehte, daß die
Außenflächen zuerst blau und dann grau sind, verwandelt man sich
in einen Zentauren."
"Kann man daß wieder rückgängig machen?"
"Keine Ahnung. Die Würfel sind nachher zu Staub zerfallen."
Ich zog den Würfel aus meiner Tasche.
"Waren es solche?"
"Genau. Woher hast du sie?
Der dritte Zentauer nahm seinen Bogen und legte einen Pfeil ein.
"Das sind Banditen. Riecht ihr das auch?"
"Ja. Tatsächlich. In fünf Minuten sind sie da."
"Fang schon einmal an, ihn zu drehen. Es ist nicht so leicht, wie es
aussieht."
Ich drehte den Würfel in meinen Händen. Zwei Drehungen und er
würde völlig blau sein.
"Sie kommen von dort", sagte der blonde Zentauer und deutete in die Richtung
aus der ich gekommen war.
Zwei Drehungen und der Würfel war außen blau. Konzentriert arbeitete
ich weiter und unterdrückte das prickelnde Gefühl in der Magengegend.
Völlig versunken in meiner Aufgabe sah und hörte ich nicht, was
um mich vorging. Als endlich alle Seiten grau waren, stürmten bereits
die Banditen auf uns zu. Ohne nachzudenken griff ich nach dem Bogen an meiner
Seite und legte einen Pfeil ein. Die Banditen sahen das, machten hastig kehrt
und ritten davon.
"Wer weiß", dachte ich, "vielleicht ist es so gar nicht das schlechteste."
Ende